Mittwoch, 11. Dezember 2013

..nicht so gute Nachrichten..

Wir haben mittlerweile Ende Mai, die ersten Tage als Mama sind so aufregend, ich bin so verliebt und so voller liebe, der Zwerg, mein Engel, ich muss ihn Tag und Nacht ansehen. Er ist das hübscheste und süßeste Baby das ich je gesehen habe. - eine Mama weiß was in mir vorging!

Noch im AKH auf der Wochenbettstation reißt mich das klingeln meines Handys aus dem "Liebesrausch".
Der Chirurg der mich eine Woche zuvor operierte, bat mich bis kommenden Montag im Krankenhaus zu bleiben, denn sie müssten noch ein paar Untersuchungen machen, auf meine Frage weshalb das nötig sei, kam als knappe Antwort "das besprechen wir am Montag". Schon komisch, aber ich befasste mich nicht weiter damit, denn der Zwerg bekam Hunger.

Am Montag kam eine Schwester zu uns ins Zimmer mit einer Flasche Kontrastmittel, welches ich doch bitte innerhalb einer Stunde austrinken sollte. - Und wiedermal wusste ich weder worum es geht noch was mit mir veranstaltet wird..

Eine Stunde später wurde ich abgeholt und ließ zum ersten mal meinen Zwerg allein, mir blutete das Herz, doch bei meiner Mutter wusste ich ihn in guten Händen.
Wir kamen in der Radiologie an, ein CT sollte gemacht werden. Ob ich mich auf den Bauch legen könnte - ich habe vor 4 Tagen entbunden, natürlich kann ich mich auf den Bauch legen!!!
Mir wurde ein Zugang gelegt um außerdem noch Kontrastmittel über die Vene einzuspritzen - wie schön das mir morgens der Zugang gezogen wurde.
Danach wurde noch ein MRT gemacht und ich durfte wieder zu meinem Zwerg. Ich kann gar nicht so genau sagen, was während den Untersuchungen in mir vorhing, gut im MRT hab ich einfach nur versucht durchzuhalten und an den Zwerg gedacht, denn es war so eng und ich habe Platzangst, aber wie!

Ein paar Stunden später habe ich die Abschluss Untersuchung bei dem Gynäkologen gehabt, der Chirurg kam mit hinzu und ich bekam auf einmal ein ganz mulmiges Gefühl. Man sieht Ärzten an, wenn sie schlechte Nachrichten zu übermitteln haben. Er warf mit fachbegriffen um sich und faselte um den Heißen Brei herum, kurzum, ich hatte einen Tumor.
Da schaltete sich mein Kopf dann erst mal aus, mir schossen Tränen ins Gesicht, heiß kalt heiß kalt, mein Baby...
mein Baby...
mein Baby...
Werde ich ihn aufwachsen sehen.... Mir schossen Bilder von Der Beerdigung meines Onkels durch den Kopf...
Ich kann den Zwerg doch nicht allein lassen...

Ich habe bereits erwähnt, das ich nichts beschönigen werde und meinen Gefühlen freien lauf lasse. Ich weiß mittlerweile das es nichts wichtigeres gibt als positiv zu denken, doch auch das muss man lernen..
Ich stand zwischen dem gerade erwachtem Leben meines Kindes und meines Todes, warum um alles in der Welt muss das gerade jetzt passieren? Ich bin so jung und grad Mama geworden und möchte doch einfach das Leben mit meinem Kind genießen...

Irgendwann schaltete sich mein Kopf wieder ein, der Befund sei noch unklar, es sieht aber eher nach einem bösartigem Tumor aus. Der Chirurg verabredete mit mir einen Termin für den kommenden Freitag um den genauen Befund zu besprechen, die Pathologie brauchte noch etwas Zeit...

Weinend unterzog ich mich also meiner Abschlussuntersuchung und wir fuhren nach Haus.

Ich war überglücklich,todtraurig und voller Angst zugleich... Meinen Eltern ging es natürlich überhaupt nicht gut, aber es ging hier um mich und ich wusste weder vor noch zurück..

unwirklich, ja das trifft es, es kam mir alles so unwirklich vor.

Ich schrieb noch im Auto, einer lieben Freundin, wir kennen uns aus unserer Babygruppe, Susann.
Sie ist ebenfalls an Krebs erkrankt... Ich weiß nicht weshalb ich ihr schrieb, ich fühlte mich indem Moment gut bei ihr aufgehoben, sie hat das selbe durchgemacht und weiß mit der Situation umzugehen... Geteiltes Leid ist halbes Leid!?

Was rede ich, niemand kann einem Tipp's geben, wie man in so einer Situation handelt.
Aber es gibt liebe Menschen, die einen Auffangen, Mut zusprechen und halt geben können. Und das tat sie!

Wir beschlossen uns alle, als Familie, den nächsten Termin abzuwarten und es nun dabei erst mal beruhen zu lassen. Der Zwerg war natürlich die beste Ablenkung.

Wir packten Geschenke aus, bekamen Besuch und machten unsere ersten Spaziergänge.
Ich wollte ihn der ganzen Welt zeigen, so stolz war und bin ich!
Endlich klappte auch das stillen, dank meiner Mama die mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Es gibt nichts schöneres zwischen einer Mutter und ihrem Kind, diese enge Verbundenheit.
Leider musste ich 3 Monate später abstillen, aber dazu später.

Der Freitag rückte näher und wir fuhren ins AKH. Meine Eltern natürlich an meiner Seite. Dort mussten wir unglaublich lange warten. Der Zwerg weinte, bekam Hunger, zu der Zeit hat es noch um die 40 min gedauert bis er satt war, das war also alles sehr stressig für uns alle.
Wir wurden von einer Ärztin aufgerufen die ich nicht kannte, sehr direkt! Sie kam direkt auf den Punkt, sie hätten meinen Fall in der Tumorstunde besprochen, es ist bösartig aber um was genau es sich handelt wüsste man noch nicht. Gewebeproben wurden nach Jena geschickt und dort in der Pathologie in Einzelteile zerlegt.

Ich weinte.. wiedermal.. ich dachte nun wird alles gut, sie würden mir sagen es war einfach nur ein Fettgeschwür.. was weiß ich...

Die Ärztin versuchte mich aufzumuntern, die Untersuchungen haben ergeben das sich keine Metastasen gebildet haben, es hat also nicht gestreut, im Arm befanden sich allerdings noch Tumorreste, es müsste evtl. eine nach Resektion stattfinden. Sie hat für mich bereits einen Termin in einer Spezialklinik gemacht, bei einem Tumorspezialisten. Montag.


Der Termin am Montag munterte uns alle etwas auf, nahm uns die Angst etwas. Das Ding in meinem Arm war mittlerweile wieder etwas gewachsen, behinderte mich jedoch nicht.
Doktor W. ein älterer Herr, liebevoll und einfühlsam, er war bereits über alles informiert, er war von dem Zwerg ganz hin und weg.
Doktor W. und sein Kollege Doktor S. bei dem ich mich ebenfalls gut aufgehoben fühlte schauten sich die Bilder des MRT's und des CT's an.
Der Befund aus Jena war mittlerweile auch eingetroffen, undifferenziertes spindelzelliges Sarkom, eher unklarer Struktur. Sprich es kann alles oder nichts sein. Da sie nur eine kleine Gewebeprobe hatten kann man dies nicht genau sagen. Doktor W. drückte und zerrte an meinem Arm herum. "wenn es so bleibt, lassen wir es so, wenn es größer wird muss es raus".

Das waren doch eigentlich gute Nachrichten, ich bekam einen Kontrolltermin in 6 Wochen und fuhr zwar mit einem etwas mulmigen, aber doch recht gutem Gefühl nach Haus.
Dort angekommen schmiss Paps erst einmal den Grill an, wir ließen es uns gut gehen.


Ich und der Zwerg waren meine Freundin Anne in Hamburg besuchen, haben einen schönen Tag verbracht. Die Zwerge schenkten sich jedoch noch keinerlei Beachtung, meiner war ja auch erst vier Wochen alt....



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