Donnerstag, 12. Dezember 2013

Augen zu und durch!

Der Termin im Krebszentrum des UKH's rückte näher.

Ich kann rückblickend gar nicht mehr sagen was zwischen dem Anruf von Doktor S. und dem Termin  passiert ist. Ich hab wohl einfach funktioniert...

In der Onkologie angekommen, ging ich zur Aufnahme, an der eine, sagen wir mal griesgrämige ältere Dame saß. Ist es so, wenn man mit Krebspatienten zutun hat, dass man verbittert? sein lächeln verliert? - Komische Frau.

Der Zwerg unterhielt uns fröhlich im Wartezimmer, ach er ist ein Goldstück!
Wir wurden aufgerufen, Mama ging mit mir, Papa blieb bei dem Zwerg.

Ich erspare mir nun das ganze drum herum.
Wieder zwei neue Ärzte. Fr. Dr. K. Assistensärztin und Doktor T. der Onkologe. Beide lächelten mich an, meine Güte hat mich das aufgeregt, das ist wohl der Denkbar schlechteste Zeitpunkt um einer Krebspatienten, die 3000 € Beißerchen entgegen zu halten! - Alle beide unten durch!

Ich erzählte also zum tausendsten mal, wie ich nun bei ihnen im Krebszentrum gelandet bin, obwohl sie das ja eigentlich schon wussten...
Doktor T. redete gar nicht lang um den heißen Brei herum, eine Chemotherapie wäre bei dieser Krebsart ratsam, anschließend Bestrahlung.

Da schaltete sich mal wieder mein Kopf aus. Bisher hieß es doch EVENTUELL eine Chemotherapie und ganz sicher eine Bestrahlung.
Meine Mutter hatte offensichtlich den selben Gedanken und hakte nach. Doktor T. faselte herum das die Krebsart so selten sei etc. etc.

Mama wurde sauer und fragte nun endlich mal um WAS für einen Krebs es sich denn nun handelt. "Ach das wussten sie noch gar nicht? Wir haben ihn heute morgen aus Jena angefordert!"  - Da versteh mal einer die Logik der Ärzte.

Weichteilsarkomrezidiv Ellenbeuge links ED 08/13
Undifferenziertes spindelzelliges Sarkom (NOS) G3, keine t(x;18)
Größe Rezidiv: 4,5 x 4cm
Stadium: pT1, cM0 pVo pL0, marginal R0


Undifferenziert, bedeutet soviel, wie man wüsste immer noch nicht zu 100% um was für ein Sarkom es sich handelt. G3 bedeutet, sehr bösartig.
Außerdem wurde mit zu wenig Sicherheitsabstand operiert, daher die Chemotherapie. Die falschen Vorbehandlungen, können außerdem verursacht haben, das sich Krebszellen ausbreiten konnten.

Ich habe ein Baby......

Ich verließ den Raum, verabschiedete mich knapp und lies die "weißen Kittel" und Mama zurück.


Ich wollte nicht allein sein. Der Zwerg und ich schliefen vorerst bei meinen Eltern.
Abends sitze ich mit dem Zwerg in Papas Sessel und stille den Zwerg, mich überkommt bittere Traurigkeit, Hilflosigkeit, ich will nicht aufhören zu stillen, ich muss ihn schon nach 3 Monaten "gehen" lassen.
Und in meiner bitteren Traurigkeit lächelte mich mein Engel an und gab mir die Kraft die ich in diesem Augenblick brauchte.

Am nächsten Tag rief ich im Tumorzentrum an, ich entschied mich für die Chemotherapie. Es sollte bereits nächste Woche losgehen, 6 Wochen nach einer Op ist der beste Zeitpunkt.

Ich hatte also eine Woche Zeit, den Zwerg an die Flasche zu gewöhnen, mich an die Flasche zu gewöhnen. Ich hab so viel geweint in der Zeit, es wunderte mich, das ich überhaupt noch weinen konnte!
Das alles überforderte mich so sehr, ich bin Jung, grad Mama geworden und nun muss ich meinen Zwerg schon allein lassen. Drei Tage, das sind Welten, in der Entwicklung eines Babys.

Für mich war es ganz furchtbar ihn allein zu lassen, ich kann gar nicht beschreiben wie ich mich fühlte, ich versuchte positiv zu denken, was sind schon ein paar Tage, gegen ein ganzes Leben!?
Er blieb bei meiner Tante. Dort war er gut aufgehoben.

Der Tag der ersten Chemo war also gekommen, Mama fuhr mit mir ins AKH.
Da meine Blutwerte noch untersucht werden mussten und die Chemo noch bestellt werden musste, verbrachte ich eine weitere Nacht im Krankenhaus, am nächsten Tag sollte es los gehen. Doktor A. der Stationsarzt klärte mich über alles auf, geplant waren vier Zyklen Doxorobicin/Ifosfamid. - Was ich mich heute frage, wenn sie gar nicht genau wussten um was für ein Sarkom es sich genau handelt, woher wussten sie dann, welche Medikamente die richtigen sind?

Ich entschied mich gegen eine Eizellen-Entnahme, ich habe ein wunderbares Kind, für das ich gesund werden muss!
Trotzdem schluckte ich bei dem Thema.
Das mir die Haare ausfallen werden war mir von vorn herein klar, meine Haare waren durch die Schwangerschaft sehr kaputt, vielleicht ist es also ganz gut, das sie danach ganz gesund nachwachsen können. Trotzdem fiel es mir schwer mich demnächst von ihnen trennen zu müssen.

Ich bekam meinen ersten Cocktail, das Docorubicin ist knall rot und wird mit einer spritze, über den Zugang in die Vene gespritzt, der Arzt muss dieses streng überwachen, wenn die Vene platzt kann das Docorubicin die Haut verätzen. - Ganz toll.
Ich fühlte mich, als hätte ich ein paar Gläser Sekt zu viel getrunken, mit einem bitteren Beigeschmack. Ich lallte und schlief wie ein kleines Baby. Ach ich vermisste den Zwerg

Am nächsten Tag sollte noch ein CT von der Lunge gemacht werden, um sicher zu gehen das es nicht gestreut hat. Ich wurde abgeholt, mit einem Krankenstuhl, sehr gut denn ich fühlte mich elend, ich konnte schlecht sehen und war immer noch etwas "betrunken". Beim Einspritzen des Kontrastmittels platzte mir die Vene, besser jetzt als nachher beim Doxorubicin! Ich bat darum, das mir ein Port eingesetzt wird, das würde mir vieles erleichtern.
Die Assistenzärztin Informierte mich über die Op, diese ist aber erst für den nächsten Zyklus geplant, es würde wohl nicht während der Chemo funktionieren aufgrund der Blutwerte.
Also suchten wir eine Vene.. und suchten.. und piekten.. und suchten und piekten!
Gern hätte ich die blöde Nadel genommen und dem blöden "blau Kittel" ebenfalls in den Arm gepiekt! - ja die Schwestern und Pfleger tragen blau.
Mir stand ja nur der rechte Arm zur Verfügung und meine Venen waren durch die Schwangerschaft schon so schlecht.
Wir fanden eine und sie hielt auch die letzten zwei Chemos, plus Vorlauf und nach Bewässerung.
Ich schlief und schlief und schlief, mir ging es gar nicht gut.
Ich war froh das meine Mutter mich am fünften Tag abholte. Die Autofahrt war schrecklich, aber ich überstand sie, ohne große Zwischenfälle.
Lena kam mir mit dem Zwerg entgegen gelaufen, er trug einen weißen Body, er sah aus wie ein kleiner Engel! Ich sah immer noch alles verschwommen, doch ich sah einen kleinen Engel in ihren Armen. Ich nahm ihn ihr ab und schloss ihn in meine Arme, Mama ist wieder da...

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