Sonntag, 29. Dezember 2013

Fortschritte..

Am Freitag war die Op genau 3 Wochen her, das heißt ich darf die Schiene endlich ablegen.
Da sich das anlegen des Kompressionsstrumpfes aber als etwas schwierig erwies, die Wunde an meinem Unterarm noch schmerzte und auch noch 'offen' ist, entschied ich mich, die Schiene noch ein paar Tage zu tragen und erst mal im Krankenhaus anzurufen!

Zwischen Weihnachten und Neujahr jemanden im Krankenhaus zu erreichen, der einem auch weiterhelfen kann gestaltet sich aber ganz schön schwierig. Gefühlte fünf Stunden hab ich mit zig Leuten telefoniert die mich von einem Ort zum anderen durchstellten, bis ich endlich mal die Stationsärztin am Telefon hatte, welche mich auch kennt.
Lange Rede kurzer Sinn, ich muss am Montag in der Ambulanz anrufen und einen Termin vereinbaren, damit sich jemand den Arm noch mal ansieht. Außerdem muss der Befund besprochen werden und mir muss gezeigt werden wie ich den Strumpf anbekomme ohne mir den ganzen Arm aufzureißen.

Der vorläufige Befund sei schon da, was nach drei Wochen ja auch zu erwarten ist. Der Sicherheitsabstand zur Muskulatur hin sei nicht ausreichend, so die Aussage der Pathologie. Doktor W. welcher mich operierte forderte einen genaueren Befund, mit genauesten Angaben,welcher natürlich noch mal ein paar Wochen dauert.

Wenn ich mir vorstelle, das es bei einigen Krebspatienten um Tage geht, die Pathologen, Ärzte oder wie sie alle heißen , Zeit brauchen.. Da schüttle ich doch den Kopf! Diese Zeit haben viele Patienten schlichtweg einfach nicht!
Da schließe ich mich nun aber einfach mal aus, denn ich habe für mich einige Entscheidungen getroffen in denen Ärzte und Schulmedizin nur noch die zweite Geige spielen. Aber da gehe ich etwas später drauf ein.

Der kleine Funken Hoffnung bleibt ja nun mal bestehen. Wiedermal hab ich auf die erlösenden Worte gehofft. Natürlich geht es mir derzeit sehr gut und ich weiß das ich gesund werde, ich würde diesen Weg der alternativ Medizin so oder so gehen, er schadet mir nicht, ganz im Gegenteil, doch ein 'guter' Befund würde mir einfach mal gut tun und mir noch ein wenig mehr Hoffnung geben. Denn sind wir mal ehrlich, auch wenn ich sage/schreibe mir geht es gut, mir geht es besser denn je etc. dann ist das durchaus so, ich fühle mich wirklich gut, doch die Angst begleitet einen weiter, in jeder Lebenslage! Manchmal ist sie ganz schwach, kaum wahrzunehmen und an anderen Tagen schreit sie förmlich nach mir und ich muss mich ganz arg zusammenreißen da gegen an zu gehen! Fas ist nicht immer leicht.
Und somit rutscht mir wiedermal das Herz in die Hose und ich habe ein ganz merkwürdiges Gefühl in der Magengrube. Meine Augen brennen, aber ich habe in dem Moment einfach keine Lust zu weinen! Ich gehe gegen an! Auch das konnte ich vor ein paar Wochen noch nicht. Nicht einfach die Fassung verlieren und erst einmal durchatmen. In meinem Leben verändert sich etwas! Ich verändere mich!

Somit ändern sich auch meine Zukunftspläne. In meinem jetzigen Beruf, der Altenpflege, werde ich nicht mehr zurückkehren können, denn mein Arm ist ab sofort nicht mehr belastbar. - Arbeitsunfähig.
Nach meiner Elternzeit wollte ich mich eh anderweitig orientieren, denn in dem Beruf wäre ich auf Dauer nicht glücklich geworden. Ich hab mich schon immer sehr für Heilpraktik und Homöopathie interessiert, durch meine Erkrankung setze ich mich ja nun noch mehr damit auseinander und bekomme immer mehr Gefallen daran. Da man in diesem Bereich allerdings erst mit 25 Jahren tätig werden kann, habe ich noch genügend Zeit um evtl zur Abendschule zu gehen. Ich würde gern mein English auffrischen! Kurse gibt es da zu genüge. Aber wir werden sehen, wo es mich noch hin bringt, auf meiner Reise.



Gestern legte ich also für ein paar Stunden die Schiene ab um meinen Arm ganz langsam wieder an alltäglicheDinge zu gewöhnen.
Ich versuche meine Nasenspitze zu berühren, gut 20cm fehlen zwischen Nase und Zeigefinger.
Ich halte meine Hand unter kaltes Wasser, ich spüre die Kälte, aber nicht den Wasserstrahl auf der Haut. Aber es tut gut! - Ja, da wird selbst das Händewaschen zum Erlebnis.
Der Zwerg bekommt bald Hunger, also ging ich ins Gartenhaus um frisches Gemüse zu holen. Ich versuche meinen Arm langsam wieder mit einzubeziehen. Man gewöhnt sich sehr schnell an Einschränkungen und somit hab ich mit meinem rechten Arm alles gut gemanagt, nun ist es schwer auf den linken zu achten, denn er hing die letzten Wochen bewegungslos vor meinem Bauch herum.

Ich halte die Wurzel mit den Fingerspitzen auf dem Brett fest und schneide mit der Rechten. Sie ist kalt, ich kann sie etwas 'fühlen'. Der Brokkoli, fühlt sich an wie viele kleine Steinchen!
Ich kann keine Faust machen. Strecken ebenfalls nicht.

Ich schreibe dies so detailliert auf, denn ich denke wir sehen zu viele Dinge als selbstverständlich! Aber das ist es nicht! Wir putzen jeden Tag, wir waschen jeden Tag, wir duschen, wir schminken uns, zumindest der weibliche Part und noch vieles vieles mehr.

In diesen kleinen Augenblicken in denen mir bewusst wird, welche Struktur diese Karotte hat, wie sie sich in der gesunden und in der kranken Hand anfühlt, überkommt mich eine absolute Welle des Glücks. Ich kann dankbar sein, das ich meinen linken Arm noch habe, das ich meine Hand, meinen Arm vielleicht bald wieder so bewegen kann, das ich allein zurecht komme, ob mit oder ohne Gefühl, das ist mir nicht wichtig...



Ich habe weiter oben erwähnt das ich einige grundlegende Entscheidungen getroffen habe, da gehört zum einen die Kündigung meiner Wohnung hinzu, denn ich bin nun seit mehr als 5 Monaten bei meinen Eltern und zahle nicht gerade wenig Miete. Ein Ende ist ja noch nicht in Sicht, wenn ich nun für einige Zeit nach Süddeutschland gehen werde kann ich das Geld dort in eine Unterkunft, Mietwagen etc. stecken!
Meine Möbel werde ich bei einem bekannten unterbringen. Das Kinderzimmer und mein Schlagzimmer bringen wir in dem schönen Gästezimmer meiner Eltern unter, welches wir heut begonnen haben zu räumen. Der Zwerg und ich bekommen unser eigenes Reich, dann fühle ich mich vielleicht auch bald wieder Zuhause!
Ja, ich ziehe nun endgültig zurück zu Mama und Papa. Alles andere als leicht, wir haben uns das nun mal alle Anders vorgestellt, aber außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.
Ich kann so unendlich dankbar sein, solche Eltern zu haben!

Und zum anderen habe ich mich gegen jede weitere Operation entschieden! Die Lungen-Op würde mich derart schwächen, das ich ein halbes Jahr flach liegen würde. Die Frage ist ja auch, wie lange und oft sie noch an mir "rumschnibbeln" wollen. Bis nichts mehr da ist? Bis sie nichts mehr tun können? Also, ich glaube ich brauche diese Op nicht mehr! Ich tu alles dafür um gesund zu werden und da gehören nicht nur Operation, Chemotherapie und Bestrahlung hinzu...

Und mit dieser Entscheidung bin ich mehr als nur glücklich, sie nimmt mir den Druck, vor der Angst, vor der Verpflichtung Ärzten gegenüber...

2 Kommentare:

  1. Liebe Marie,
    ich bin heute zufällig auf deiner Seite gelandet. Ich werde von nun ab ein ständiger Begleiter sein.Auch wenn ich kein Krebspatient bin, so kenne ich viele Betroffene. Menschen, die es wie Du verdient haben, gesund zu werden, Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute, und bewundere Dich für Deine Stärke, Deinen Mut und Deine Kraft. G.

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    1. Danke für deine lieben Worte, ich freue mich sehr über fleißige Mitleser!
      Viel Spaß ;)

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