Donnerstag, 12. Dezember 2013

...doch kein Ende in Sicht..

... drei Wundervolle Wochen vergingen, ich habe viel mit dem Zwerg unternommen, wir waren schwimmen, Freunde besuchen, ich hab ihm alles gezeigt. Er hat zwar das meiste verschlafen, aber so ist das halt, als Baby!
Die große neu Welt, so aufregend und spannend, voller Hoffnung...

3 Wochen später bekam ich ein unangenehmes stechen in meinem Arm, "das Ding" ist wieder größer geworden. - Hat das denn nie ein Ende!?
Ich rief sofort in der SK an und vereinbarte einen Termin für den kommenden Montag, bei Doktor W.
Mir war klar das ich operiert werde, dass hatten wir ja schon besprochen. Ich ging allerdings davon aus, das ich wie beim letzten mal nach der Op wieder nach Hause kann. Wunschdenken!

Gemeinsam mit Mama und dem Zwerg bezogen wir ein Zweibettzimmer. Am nächsten Tag wurde überraschend ein Op-Termin frei. Doktor W. wollte schnellst möglich operieren, denn es wächst schnell. Der Zwerg durfte mit, da ich ihn  Stillte, ein Glück denn nur der Gedanke daran ihn allein zu lassen.. nein.. 

Im Aufwachraum stand Doktor W. neben meinem Bett, "Es ist alles gut verlaufen, wir haben alles draußen". - Gott sei Dank!
"Die Schiene bleibt 3 Wochen dran". - wumms, schlag ins Gesicht!

Wie soll ich mich denn nun um den Zwerg kümmern?? Meine Eltern versicherten mir, das wir eine Lösung finden.
Mir ging es sehr schlecht, nicht weil ich schmerzen hatte, diese hielten sich in Grenzen, sondern weil mich diese tausend Untersuchungen, Op's, ständig andere "weiße Kittel" und nun, wie ich die nächsten Wochen rum bekomme und wie ich den Zwerg versorgen kann. 


Im laufe der Zeit, verändert sich das Blickfeld, Dinge die einst so schlimm erschienen sind heute Kleinigkeiten. Dinge die einst so wichtig waren, sind heute unwichtig.. 

Ich stellte bei der Krankenkasse also einen Antrag auf Haushaltshilfe. Diese bekam ich auch, zwei Frauen betreuten den Zwerg und mich tagsüber, Nachts schlief Mama bei mir.
Kirstin und Julia, beide 60 Jahre alt.. Mit der einen verstand ich mich mehr, mit der anderen weniger! 
Wie ich eben schon schrieb, man ändert sein Blickfeld! Ich war nicht immer fair zu den beiden, denn in diesem Augenblick und dieser Situation, wollte ich einfach nur mein Kind für mich allein haben! Mich allein um ihn kümmern, ihn wickeln, tragen, kuscheln, meinen Haushalt machen und einfach Ruhe haben, für mich und mein Kind! Das ging aber nicht...
Ich kann nicht sagen weshalb, aber ich hatte fürchterliche Verlustängste, man könne mir mein Kind weg nehmen. Sobald einer der beiden den Zwerg auf dem arm hielt, rutschte mir das Herz in die Hose  - sie könnten ihn fallen lassen, was ist wenn sie mit ihm die Treppe herunter fallen, der body ist falsch zugeknöpft, die Windel ist zu eng, zu viel Creme am Po!

Und. Der Fußboden ist nicht richtig gewischt, die Fenster haben streifen, staub liegt immer noch überall rum, der Spiegel ist dreckig, sie hat einen Fleck auf der Hose, ihre Haarfarbe passt mir heute nicht!

negativ. negativ. negativ..... Aber ich konnte einfach nicht anders, ich brauchte einen schuldigen, den ich für alles verantwortlich machen konnte! - Herrgott, die beiden sind selbst Mütter!!!

Meine Eltern versuchten mir Mut zu machen, das ich ihnen doch einfach eine Chance geben soll und auch das gute im Menschen - versuchen - zu sehen!

Sagen wir mal so, ich habe mich mit den Damen arrangiert, Julia ist heute eine sehr liebe Freundin der Familie, sie liebt den Zwerg und ist für mich ein ganz wertvoller Mensch, aber soweit bin ich noch nicht.

Schnell ging es mit meinem Arm vorwärts und obwohl ich ihn noch nicht belasten durfte, tat ich es, denn es tat nicht weh. Und somit schloss ich meinen kleinen Engel in meine Arme...

3 Wochen nach der Op - einige mögen sich wohl denken, die stellt sich an, drei Wochen gehen doch schnell um, aber wenn man 24 stunden sieben Tage die Woche jemanden um sich herum hat "bemuttert" wird, ist man einfach nur froh wenn man allein ist...

... ging es zum Fäden ziehen in die SK und zur ausführlichen Befundbesprechung, denn nun konnten sie das ganze "Ding" in die Pathologie nach Jena schicken.

Doktor S. war begeistert von meiner Wundheilung, der Befund sei aber noch nicht ausführlich besprochen worden, außerdem stehe noch ein Test aus der wichtig sei, was sie aber sagen können, es ist definitiv ein bösartiges Weichteilsarkom, 
Ich weine mal wieder... Ich hab viel geweint in dieser Zeit, aber es muss auch raus!
Ich habe mal wieder auf die erlösenden Worte gehofft, "Es war ein großer Irrtum, es ist gutartig, sie sind gesund".
Dann wäre ich nachhause gefahren, hätte diverse Ärzte verflucht und meine Welt wäre in Ordnung gewesen. - Wäre sie das wirklich?

Wir verließen die SK, Doktor S meldet sich bei mir, sobald der schlussendliche Befund da sei.

Zwei Wochen vergingen und ich versuchte einfach nicht daran zu denken, ich fühlte mich gut, da kann ich ja nicht krank sein. 


Anne kam mich und den Zwerg für ein Wochenende besuchen. Das Wetter war einfach toll, eir gingen spazieren, schwimmen und ließen es uns Abends wenn die Zwerge schliefen, bei einem Gläschen Alkoholfreien Sekt, gut gehen.
Schön das wir mal wieder alle zusammen waren.

Donnerstag bin ich mit dem Zwerg in den nächsten Ort zur Krankengymnastik gefahren, ich war in meinen Bewegungen noch etwas eingeschränkt, das Gelenk etwas versteift, aber das bekamen wwir wieder hin. 
Als ich wieder im Auto saß, sah ich das ich einen Anruf auf dem Handy hatte, Hamburger Vorwahl, das kann nur Doktor S. sein. 
Mein Herz fing an zu rasen, ich rief aber nicht zurück. In dem Augenblick war alles perfekt, das wollte ich mur nicht kaputt machen. 

Ich fuhr zu meiner Tante Jette, ich habe für den Zwerg ein paar Homöopathische Mittel bestellt, da wollten wir die Wirkung und Dosierung besprechen, denn sie kennt sich auf diesem Gebiet sehr gut aus. 

Ich war schon halb auf dem Sprung, da klingelte mein Handy erneut, Tante Jette kümmerte sich um den Zwerg und ich nahm das Gespräch entgegen. 

Man hat ja meist schon eine Vorahnung, außerdem hatte ich einen fürchterlich dicken Kloß im Hals und konnte kaum sprechen.
Doktor S. fragte ob ich sitze - Danke, sie brauchen gar nicht weiter reden.

Der eindeutige Befund noch nicht da, es fehlt immer noch der eine Test. Die Pathologen raten jedoch zu einer Bestrahlung und evtl. Chemotherapie. Er hat mir bereits im UKH bei einem guten Onkologen einen einen Termin gemacht. Stille, "Frau Sophie? geht es ihnen gut?" 

BESTRAHLUNG ??!!?!!!??!!!!

CHEMOTHERAPIE !!!???!!!???!!

Bisher haben wir immer nur von einem Tumor gesprochen, aber nicht von Krebs! 
Ist es das selbe, ist ein Tumor Krebs? Ist Krebs ein Tumor?

Ich berappel mich etwas, bedanke mich für die Info, entschuldige mich, da ich nicht sprechen kann, Doktor S. wünscht mir alles gute, ich soll mich melden wenn ich Hilfe brauche. Wir verabschieden uns.


Ich weine, meine Tante weint, wir liegen uns in den Armen. Der Zwerg weint.. wohl Hunger...

Ich sitze im Auto auf dem Weg nachhause, Papa ist schon auf dem Weg zu mir. 
Vor lauter Tränen sehe ich kaum etwas, ich schluchze, ich will schreien - aber der Zwerg schläft!

Ich bin wütend auf mich, auf die scheiß "weißen Kittel", auf den scheiß Krebs, meinen scheiß Krebs, den scheiß Tumor, meinen Scheiß Tumor.

Der einzige Lichtblick in diesem Augenblick ist mein Sonnenschein und ich weiß das ich für ihn kämpfen muss! Für ihn und für mich! Denn ohne mich gibt es ihn nicht und ohne ihn gibt es mich nicht. 
Wir gehören zusammen - Mutter und Kind, voller liebe und Hoffnung...

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